CDU Kreisverband Coesfeld

Wohnungsnot und Baukosten im Fokus – gut besuchte CDA-Infoveranstaltung

Setzen sich gemeinsam für bezahlbaren Wohnraum und neue genossenschaftliche Wege im Kreis ein (v. l.):
Uwe Schramm (Vorstandsvorsitzender WohnBau Westmünsterland eG), Ludger Wobbe (CDA-Kreisvorstand), Valentin Merschhemke (CDA-Kreisvorsitzender), SebastiSetzen sich gemeinsam für bezahlbaren Wohnraum und neue genossenschaftliche Wege im Kreis ein (v. l.): Uwe Schramm (Vorstandsvorsitzender WohnBau Westmünsterland eG), Ludger Wobbe (CDA-Kreisvorstand), Valentin Merschhemke (CDA-Kreisvorsitzender), Sebasti

CDA Coesfeld fordert verlässliche Standards und konkrete Entlastungen

Die Lage auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt sorgt für wachsenden Frust – nicht nur bei Mieterinnen und Mietern in den Ballungsräumen, sondern längst auch in der Mittelschicht im ländlichen Raum. Vor diesem Hintergrund lud der Kreisverband der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) zu einer gut besuchten Diskussionsveranstaltung nach Coesfeld ein. Mit drei regionalen Experten wurden die aktuellen Krisen auf dem Wohnungsmarkt und praktische Lösungsansätze debattiert. Der CDA-Kreisvorsitzende Valentin Merschhemke begrüßte dazu Uwe Schramm (Vorstandsvorsitzender der WohnBau Westmünsterland eG), Sebastian Täger (Bürgermeister der Gemeinde Senden) und Oliver van Nerven (Vorstand der WSG für den Kreis Coesfeld eG) auf dem Podium.

Uwe Schramm legte dar, dass etwa jeder zweite Wohnungssuchende in Nordrhein-Westfalen – im Seniorenbereich sogar rund 80 Prozent – Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein (WBS) habe. Wenn man diesen sozialen Auftrag ernst nehme, komme man um den öffentlich geförderten Wohnungsbau nicht herum. Die sozial orientierte Wohnungswirtschaft fühle sich dieser Ausrichtung seit dem Wiederaufbau Deutschlands verpflichtet und setze in den eigenen Beständen auf eine soziale Durchmischung von geförderten und freifinanzierten Wohnungen „Tür an Tür“. Das boomende Münsterland brauche diesen bezahlbaren Wohnraum auch dringend für die Fachkräfterekrutierung. Während Schramm die Verlässlichkeit der NRW-Förderrichtlinien lobte, kritisierte er die ausufernden Baustandards. Die aktuellen Rahmenbedingungen nötigen dazu, die Kosten runterzuschrauben. Wenn man preiswerten Wohnungsbau wolle, müsse man über Bürokratie sprechen und unter Qualitätsaspekten wieder einfachere Maßstäbe ansetzen. Zudem forderte er auf kommunaler Ebene mehr Offenheit für angemessene bauliche Dichte und kürzere, smarte Baugenehmigungsverfahren, da das Thema Wohnen sonst zur Existenzfrage für viele Haushalte werde.

Über die Projekte der Wohnungsbau- und Siedlungsgenossenschaft für den Kreis Coesfeld eG (WSG) berichtete der Vorstandsvorsitzende Oliver van Nerven. Die Genossenschaft, die seit mehr als 70 Jahren auf dem Wohnungsmarkt in Coesfeld, Billerbeck und Dülmen tätig ist, bewirtschafte aktuell rund 1.200 Wohnungen. Laut van Nerven liege der durchschnittliche Quadratmeterpreis bei 5,35 Euro. Trotz dieser im Marktvergleich niedrigen Miete werde weiterhin intensiv in die Instandhaltung und Modernisierung des Bestands investiert. Zudem sei der Bau aktueller Vorhaben mit insgesamt 80 Wohnungen bereits so weit fortgeschritten, dass die ersten Einheiten planmäßig noch im Laufe dieses Jahres bezogen werden könnten.

Wie eine erfolgreiche Umsetzung in der Praxis aussieht, verdeutlichte Sendens Bürgermeister Sebastian Täger. Anfang Juni dieses Jahres wurde im Baugebiet Huxburg der erste Spatenstich für 33 öffentlich geförderte Miet-Reihenhäuser für Familien gesetzt. Um bezahlbaren Wohnraum voranzutreiben, hatten die Gemeinde, die Sparkasse Westmünsterland und die WohnBau Westmünsterland eG 2024 die WohnBau Senden GmbH als langfristigen Bestandshalter gegründet. Das Investitionsvolumen für das Projekt Huxburg beträgt knapp 14 Millionen Euro. Es entstehen moderne, barrierefreie Reihenhäuser, die über Wärmepumpen beheizt werden. Die Vermietung startet in der ersten Jahreshälfte 2027 über das Kundencenter in Lüdinghausen. Das Angebot richtet sich an WBS-Berechtigte: Für einen Vier-Personen-Haushalt stehen rund 99 Quadratmeter zur Verfügung. Der Mietpreis liegt je nach Einkommensgruppe bei günstigen 6,63 Euro beziehungsweise 7,70 Euro pro Quadratmeter.

 

Zu den zentralen Anregungen, die die CDA nun intensiv in die weitere politische Arbeit einspeist, gehört neben einer Vereinfachung der Landesbauordnung für schnellere Genehmigungsverfahren vor allem die gezielte Stärkung von Genossenschaften und sozialen Bauprogrammen. Hierbei gewinnen moderne, genossenschaftlich-kommunale Hybridmodelle und Projektgesellschaften entscheidend an Bedeutung, um gemeinsam mit den Kommunen gezielt neues Bauland zu aktivieren, ohne es dem spekulativen Markt zu überlassen. Zudem fordert die CDA, den Klimaschutz im Gebäudesektor sozial ausgewogen zu gestalten, mehr Barrierefreiheit umzusetzen und die Grunderwerbsteuer beim Ersterwerb einer selbstgenutzten Immobilie langfristig abzuschaffen.

CDA-Vorstandsmitglied und Kreistagsabgeordneter Ludger Wobbe (Ascheberg) brachte das gemeinsame Ziel auf den Punkt: „Wer arbeitet, muss sich in den Kommunen des Kreises eine Wohnung leisten können – unabhängig von Alter oder Einkommen.“ Der Kreisvorsitzende Merschhemke kündigte an, diesen Beratungsprozess sowohl auf überregionaler Ebene als auch in den Fachausschüssen der Gemeinden eng zu begleiten, um eine Wohnraumentwicklung mit Augenmaß sicherzustellen, die Jung und Alt verlässliche Perspektiven bietet und die hohe Lebensqualität im Kreis Coesfeld nachhaltig sichert.