CDU Kreisverband Coesfeld

Die WELT: Die Fahrradfraktion des Bundestages

Werner Lensing, Christian Ströbele und Monika Griefahn strampeln parteiübergreifend bei jedem Wetter Sie sind eine Minderheit. Aber dennoch stark. Wendig und inner- halb des Regierungsviertels manchmal schneller als ihre Kollegen in den Limousinen. Die Fahrradfraktion des Deutschen Bundestags. "Während die Kollegen mit ihren Handys krampfhaft nach der Fahrbereitschaft rufen, bin ich schon fast am Ziel", weiß Fahrradfahrer Werner Lensing (CDU) zu schätzen. "Die Zahl der Fahrradfahrer hat im Vergleich zu Bonn zugenommen", meint Christian Ströbele (B'9o/Die Grünen). Reichstag, Abgeordnetenhäuser, Parteizentralen, Ministerien: "Für alle Wege unter drei Kilometern bringt das Auto einfach nichts, und ein Fußmarsch dauert zu lange", argumentiert Monika Griefahn (SPD), seit über 40 Jahren leidenschaftliche Fahrradfahrerin, allerdings auch großzügig, wenn ihr Mantel ein bisschen zerknittert.
Verteidigungsexperte Gernot Erler (SPD): "Wenn ich mit meinem Fahrrad vor dem Auswärtigen Amt vorfahre, dann gucken einige komisch." Das sei ihm egal. Für die Fahrradfahrer ist die Bewegung beliebter Ausgleich zum stundenlangen Sitzen: Abschalten, frische Luft. Christian Ströbele findet es absurd, wenn ihm Kollegen der Autofraktion erzählen: "Ich lasse mich jetzt nach Hause fahren, und dann setze ich mich erst einmal 20 Minuten auf meinen Hometrainer." Die Eisernen unter den Radfahrern scheuen weder Wind noch Wetter. Ströbele, Lensing und Erler sind sich einig: "Wenn man einmal zuckt, ist es aus." Auch an anderen Hindernissen bahnt sich der Grüne mühelos seinen Weg vorbei: Autos weicht er auf dem Fußweg aus und im Bahnhof Friedrichstraße steigt er nicht extra ab. Er kommt mit An- und Abfahrt aus Kreuzberg auf bis zu anderthalb Stunden Radfahren täglich. Das dünne Radwegenetz in Berlin ist für einige radelnde Bundes- tagsabgeordnete ein Dollpunkt. Es ist zwar inzwischen 800 Kilometer groß, doch selbst an mehrspurigen Straßen fehlen Radwege oft. Für die Niedersächsin Griefahn aus einem Bundesland mit 60 000 Kilometern und dem neuen Bundestagsabgeordneten Daniel Bahr (FDP) aus Münster, der "Fahrradhauptstadt" Deutschlands, hat Berlin Nachholbedarf: "Man muss als Radfahrer für die Autofahrer immer mitdenken", klagt Bahr. Gernot Erler aus der Fahrradstadt Freiburg setzt nach: "Jeder Verkehrsteilnehmer spielt seine Rolle zu 100 Prozent." Deshalb sieht der Verteidigungspolitiker auf dem Fahrrad keine Chance, über Wege aus der Irakkrise nachzudenken. Monika Griefahn will ihre Kinder in Berlin auf keinen Fall Fahr- rad fahren lassen. Sicherheit ist für sie oberstes Gebot. Ihr sei aufgefallen, dass viele Räder kein Licht haben und Straßenbahnschienen die reinsten Fallgruben sind. Ströbele, Lensing und Erler haben ihre Räder mit Sicherheitsvorrichtun- gen ausgestattet: Ströbele mit einem Spezialgepäckträger für Akten, Lensing mit einer Spezialhupe - ein Geschenk seines Büros - und Erler mit einem Spezialdynamo für beständige Beleuchtung. Trotz aller Vorbehalte genießt Griefahn das Fahrradfahren in Berlin. Auf ihrem Weg von Prenzlauer Berg nach Mitte unterhält sie sich auch oft mit Studenten der Humboldt-Universität, und die Fahrt über den Boulevard Unter den Linden mit Blick aufs Brandenburger Tor ist für sie das schönste: "Die Autofahrer wissen gar nicht, was ihnen entgeht."