Dülmener Zeitung/Westfälische Nachrichten am Mittwoch, den 16. Juli 2003 In beiden Berichten wird die sogenannte „Offene Ganztagsschule“ von allen Beteiligten einvernehmlich als ausschließlich positiv und vorteilhaft für Kinder und Eltern dargestellt. Ganz klar handelt es sich jedoch um eine parteipolitische Meinungsäußerung. Wenn der Bericht zutrifft, dann haben sich zumindest die beiden Referenten, der Vertreter der Bezirksregierung Ulrich Gläser und der Schulamtsdirektor des Kreises Ulrich Fischer, zahlreiche Fakten unterschlagend kräftig vor den parteipolitischen Karren der SPD spannen lassen. Schließlich sprechen nach Lage der Dinge alle Fakten gegen das von Landesregierung in dieser Form geplante Projekt einer „Offenen Ganztagsschule“. Zuletzt wurde in einem Sachverständigengespräch am 09. Juli im Düsseldorfer Landtag das Konzept von Schulministerin Schäfer nahezu von allen anwesenden Fachleuten regelrecht zerrissen. Solch einen geschlossenen Verriss eines Vorhabens hat der Landtag selten erlebt ! Bei der „Offenen Ganztagsschule“ handelt es sich nicht um Schule im klassischen Sinne. Versteht die CDU Schule als professionelle unter Wahrung pädagogischer Erziehungsmethoden betriebene Wissensvermittlung, so sieht das SPD/Grünen-Konzept lediglich eine Betreuung am Nachmittag vor. Diese Betreuung kann von Studenten, Eltern, Übungsleitern oder Rentnern durchgeführt werden.
Zwar können auch Vereine sich an der Betreuung beteiligen, doch haben sie keinerlei Einfluss auf die Planungen an den Schulen und sind dem Schulleiter unterstellt. Dass Vereine sich aber zum Erfüllungsgehilfen und Lückenbüßer eines fehlerhaften Konzeptes machen, darf nicht sein. Bislang funktioniert gerade bei uns im ländlichen Raum das Vereinsleben und die außerschulische Jugendarbeit noch immer seht gut. Diese Strukturen gerieten in Gefahr. Nach den Vorstellungen der Landesregierung gibt es lediglich 0,1 Lehrerstellen pro 25 Schüler mehr. Umgerechnet heißt das, erst ab einer Zahl von 250 Schülerinnen und Schülern gibt es einen Lehrer mehr ! Beachtet werden muss zudem, dass das Land gleichzeitig landesweit die Horte auflöst. Die freiwerden Fachkräfte werden dann an den Ganztagsschulen eingesetzt. Das heißt, bestehende und gut funktionierende Strukturen werden zerschlagen, um den Lehrermehrbedarf möglichst gering zu halten ! Im Übrigen bedeutet die Einrichtung einer Ganztagsschule nach den Vorstellungen der Landesregierung für die Kommunen erhebliche Kosten. Schließlich müssen sie 1/3 der Kosten tragen. In diesen finanziell problematischen Zeiten, keine leichte Aufgabe. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass es zahlreiche Beispiele gibt, dass das Land sich später allzu gern aus seiner finanziellen Verpflichtung stiehlt. Kommunen, die dann bereits Ganztagsschulen fördern, müssten dann mit erheblichen weiteren Kosten rechnen. Vorsicht ist also angezeigt, denn die Landesregierung gibt hier für die Zukunft keine klare Finanzierungsgarantien ! Die CDU sieht in dem Konzept keine geeignete Reaktion auf die Ergebnisse der PISA-Studie. Nicht eine Betreuung am Nachmittag bringt unsere Schüler und Schülerinnen in zukünftigen Vergleichstest wieder an die Spitzengruppe, sondern lediglich eine wirkliche verbesserte Förderung. Wir wollen deshalb ein Sofortprogramm zur Finanzierung eines wirklichen Ganztagsschulprogramms, in dem der Bildungs- und nicht der Betreuungsgedanke im Vordergrund steht. Wir wollen pro Jahr bis 2010 jährlich durchschnittlich ca. 112,5 Mio. Euro im Jahr zum Aufbau eines flächendeckenden Ganztagsschulangebots. Die Mittel des Bundes in Höhe von 900 Mio. Euro sollen ausschließlich den Kommunen zufließen. Wir brauchen darüber hinaus mindestens 6.000 neue Lehrer. Unterrichtsausfall muss wirkungsvoll bekämpft und der zu erwartenden Pensionierungswelle schon jetzt entgegen getreten werden. Wir brauchen keine populistischen Mogelpackungen, sondern entscheidende und durchgreifende Änderungen – und diese sind nicht zum Nulltarif zu haben. Werner Jostmeier