CDU Kreisverband Coesfeld

Ambulant vor stationär

CDU-Arbeitskreis "Zukunft der Pflege" auf Info-Tour in Coesfeld Kreis Coesfeld. Einen Einblick in das "Innenleben" eines ambulanten Pflegedienstes gab Wilhelm Gerdelmann den Mitgliedern des CDU- Arbeitskreises "Zukunft der Pflege" am Beispiel seines Unternehmens "Häusliche Krankenpflege" in Coesfeld. In seinem Vortrag zum Thema "Ambulant vor stationär!" gelang es dem Fachmann, der auch Mitglied in der Pflegekonferenz des Kreises Coesfeld ist, die konkreten Auswirkungen gesellschaftlicher Veränderungen und gesetzlicher Bestimmungen darzustellen. Die Gesundheitspolitik setzte sowohl bei der Pflegeversicherung - Sozialgesetzbuch / SGB XI - als auch im Gesundheitswesen Sozialgesetzbuch SGB V- die Priorität bei ambulanten Versorgungssystemen. Bei gleichem Wirkungsgrad seien diese kostengünstiger als stationäre Angebote und integrierten die Wünsche und Bedürfnisse der Pflegenden und ihrer Angehörigen. Altenpflege wird nach wie vor von 70% der Familienangehörigen übernommen. "Diesen Menschen gebührt mehr gesellschaftliche Anerkennung und Respekt für ihre Familienarbeit. Sie benötigen aber auch Beratung und Unterstützung, wenn dann doch im Interesse des pflegebedürftigen Menschen eine stationäre Pflege unausweichlich ist. Also ambulant so lange wie möglich ,aber immer auch stationär wenn nötig!" betonte der Referent.
Neue Studien machten allerdings deutlich, dass aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen die Pflegebereitschaft sinke. "Die Vereinbarkeit der Familienpflege mit dem Beruf wird künftig eine ebenso wichtige Rolle spielen, wie die Beratung und die Einbeziehung von Angehörigen und Laien", führte Gerdelmann aus. Teile der Pflegekosten würden sowohl durch Leistungen der Kranken- und Pflegekassen abgedeckt. Ein Dauerproblem sei dabei die Verschiebung von Leistungen aus dem Bereich der Krankenversicherung in das Leistungsspektrum der Pflegeversicherung. Beispiel: Das Anziehen von Kompressionsstrümpfen ab Klasse II gehörte zunächst in den Leistungskatalog der Krankenkassen. Danach wurde diese Leistung kurzzeitig in den Bereich der Pflegekassen verschoben und seit neuester Rechtssprechung wieder in den Bereich der Krankenkasse zurückgeführt. Eine klare gesetzliche Regelung von Zuständigkeiten und die Darstellung der Leistungsverantwortung gekoppelt mit mehr Transparenz stehe in NRW noch aus, so der Referent. Begrüßt werde von den ambulanten Anbietern, dass auch nach der Novellierung des Landespflegegesetzes die Investitionskosten wie Miet - und Fahrzeugkosten, Büroeinrichtungen etc. weiterhin in gleicher Höhe bezuschusst werden. Der Arbeitskreis Pflege begrüßt diese Entscheidung - trotz der Mehrkosten, die dadurch der kommunalen Familie entstehen. Um "ambulant vor stationär" noch besser realisieren zu können, sieht Coesfelds Bürgermeister Heinz Öhmann die Kommunalpolitik gefordert: "Wichtig ist , dass in den nächsten Jahren das Lebensumfeld für Senioren und pflegebedürftige Menschen verbessert wird. In Coesfeld sind Politik, Verwaltung und Investoren auf gutem Wege neben traditionellen Einrichtungen auch neue Betreuungsformen zu konzipieren." Anni Willms fasste die Beratungsergebnisse zusammen: "Die Pflegeversicherung mit dem Grundsatz ambulant vor stationär hat die Sozialhilfekassen entlastet und die Wünsche und Bedürfnisse pflegebedürftiger Menschen und ihrer Angehörigen integriert. Sie muss wegen der ansteigenden Kosten und der gesellschaftlichen Veränderungen dringend weiter entwickelt werden. Bürokratische Überregulierung und unsinnige Kontrollen müssen abgebaut werden. Es müssen zukunftsweisende Konzepte entwickelt werden, die eine Kooperation von Laien und Pflegeprofession ermöglichen." In einer der nächsten Sitzungen wird sich der CDU-Arbeitskreis "Zukunft der Pflege" mit dem Konzept der Seniorenbegleitung befassen.