Haupttagesordnungspunkt der jüngsten Sitzung des CDU-Kreisvorstandes war die anste-hende Strukturreform der Bun-deswehr und deren mögliche Auswirkungen auf den Kreis Coesfeld. Hierzu waren mit den beiden Standortältesten Oberst Helmut Hitscherich (Dülmen) und Oberstleutnant Rolf Göt-tert (Coesfeld) zwei kompeten-te und von der Reform direkt betroffene Gesprächspartner eingeladen worden. CDU-Kreisvorsitzender Werner Lensing MdB, der als Mitglied im Verteidigungsausschuss über Informationen aus erster Hand verfügt, begründete die prin-zipielle Notwendigkeit der Re-form, deren Grundsätze im üb-rigen auch von den eingelade-nen Kommandeuren nicht in Fra-ge gestellt wurden.
Schließ-lich hat sich in den vergange-nen Jahren das Aufgabenspek-trum der Bundeswehr zu sehr verändert: „Direktes Krisenmanagement vor Ort ist zu einem bedeutenden und notwendigen Bestandteil des Verteidigungs-auftrages geworden“, so Werner Lensing. Oberst Hitscherich sah die beiden Bundeswehrstandorte Dülmen und Coesfeld durch die Reform nicht grundsätzlich ge-fährdet, konnte jedoch bevor-stehende Einschnitte nicht ausschließen. Insbesondere wies er auf die große wirt-schaftliche Bedeutung seines Standortes für die Stadt Dül-men hin - summieren sich doch allein die Lebensmittel- und Ersatzteileinkäufe seiner Truppe jährlich auf fast 2 Mio. DM. Oberstleutnant Göttert wies auf den enormen Organisations-aufwand hin, den er und seine Männer derzeit unter großem Zeitdruck zu bewältigen haben. Dazu gehört die Schaffung von Voraussetzungen, um zukünftig auch Frauen den uneinge-schränkten Dienst zu ermögli-chen, wie auch die flexible zeitliche Gestaltung des 9-monatigen Wehrdienst, der künftig sogar in zwei Phasen abgeleistet werden kann. Da der Standort Coesfeld allein 700 Wehrpflichtige beherberge, sieht Göttert gravierende Ver-änderungen für den Standort Coesfeld voraus. Die sich anschließende rege Diskussion befasste sich u.a. mit den Fragen, ob eine derart abgespeckte Bundeswehr ihren zahlreichen Verpflichtungen innerhalb der Nato überhaupt noch gerecht werden könne. Hier warnten beide Offiziere deutlich vor einer ständigen Reduzierung des Verteidigungs-haushaltes. Die These, ob die ohnehin nur noch von knapp 30 % eines Altersjahrganges nach-gefragte Bundeswehr nicht bes-ser durch ein Berufsheer er-setzt werden sollte, wiesen Hitscherich und Göttert deut-lich zurück: Nur unter den be-stehenden Voraussetzungen er-gebe sich in der Bundeswehr das umfassende und unverzicht-bare Spiegelbild unserer Ge-sellschaft.